Das Lauffenmühle-Areal in Lörrach-Brombach

 

 

Das rund 9 Hektar große Areal der ehemaligen Lauffenmühle GmbH & Co. KG liegt auf Brombacher Gemarkung in unmittelbarer Nähe zur S-Bahn-Haltestelle Lörrach-Haagen/Messe.

 

Die ersten Werkshallen auf dem heutigen Lauffenmühle-Areal wurden im Jahr 1899, also vor über 120 Jahren, von Dr. phil. Adolf Feer (1862-1913) als Druckerei & Appretur Brombach errichtet. Die guten wirtschaftlichen Voraussetzungen im Zentrum der Textilindustrie des Wiesentals, der Gleisanschluss und die eigenen Brunnen mit weichem Wasser waren damals ausschlaggebend für die Standortwahl.

 

Der Lohnveredlungsbetrieb bearbeitete damals „als einziges im Wiesental Stapelartikel, wie Damast, Streifsatin, bedruckte Ärmelfutter, bedruckte Jacketfutter, Uni-Futterstoffe, Hemdenstoffe, alles Artikel, die sich weder im Sortiment von Koechlin noch von Großmann finden,“ so Fabrikant Dr. Ing. Robert Feer, der Sohn des Firmengründers, in seinem Artikel „Druckerei und Appretur Brombach 1899-1969“ in der Brombacher Ortschronik.

 

Der Firmengründer Adolf Feer errichtete sich direkt neben dem Werksareal auch eine Privatvilla, von der die heutige Feerstraße nach Brombach führte. Die Villa Feer wurde zur Landesgartenschau im Jahr 1983 in ein Restaurant umgebaut. Sie liegt idyllisch am Eingang zum Grüttpark.

 

 
Nach dem 2. Weltkrieg
1954

Das Hauptpaket der Aktien der Druckerei & Appretur Brombach AG ging 1954 an die Spinnerei & Weberei Steinen über. Es wurden Investitionen vorgenommen, u. a. eine Dampfturbine (1958) und zwei neue Dampfkessel (1963) im Kesselhaus. Im Jahr 1960 waren auf dem Areal 446 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Das Unternehmen besaß 186 Werkswohnungen und zwei Gastarbeiterheime.

 

                                                                                                             

1963

Als die Spinnerei & Weberei Steinen verkauft und geschlossen wurde, übernahm 1963 die Winkler Gruppe das Hauptpaket der Aktien an der Druckerei & Appretur Brombach AG. Gustav Winkler hatte 1909 in Schlesien eine Taschentuchfabrik gegründet und das Geschäft bis 1939 auf 13 Fabriken erweitert, u. a. in Lauban. Bereits 1935, also vor der Vertreibung aus Schlesien, hatte der Textilfabrikant die 1835 gegründete Spinnerei und Weberei Lauffenmühle in Lauchringen erworben.

 

 
1969

1951 gründete Dr. Helmut Winkler gemeinsam mit Hans Schöpflin auf dem Gelände der 1944 nach Brombach verlagerten Firma Teves die Ausrüstung an der Wiese GmbH (ADW). Die ADW wurde 1969 verschmolzen mit der Druckerei & Appretur Brombach. Aus der Druckerei & Appretur Brombach AG (DAB) wurde die Lauffenmühle – Werk Wiese I, aus der Ausrüstung an der Wiese GmbH (ADW) wurde die Lauffenmühle – Werk Wiese II.

 

1990er Jahre
Die Textilbranche zieht sich immer mehr aus dem Wiesental zurück

Die Zahl der Unternehmen in Europa sank drastisch, denn Standorte in Fernost ermöglichten eine preisgünstigere Produktion. Die Kundschaft war nicht mehr bereit, höhere Preise für die in Deutschland produzierte Ware zu zahlen.

In der Lauffenmühle-Gruppe arbeiteten 1991 insgesamt rund 2.300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon in Lauchringen ca. 900 Mitarbeiter, in Blumberg 300, in Brombach ca. 700 und in Höllstein 340. Nach einer ersten Insolvenzphase 1993/1994 war das Unternehmen 1996/97 erneut zahlungsunfähig. Die Werke in Blumberg und Höllstein wurden geschlossen.

Im Rahmen eines Management-Buyouts übernahmen drei leitende Mitarbeiter die Lauffenmühle - Werk Wiese II und führten diese als Textilveredlung an der Wiese bis ins Jahr 2020 weiter.

Der Unternehmer Claas E. Daun, der im Jahr 1999 auch die KBC erwarb, erwarb 1997 über die ihm gehörende Mechanische Baumwoll-Spinnerei & Weberei Bayreuth die Lauffenmühle in Lauchringen und die Lauffenmühle - Werk Wiese I in Brombach, das heutige Lauffenmühle-Areal beim Haagensteg.

2009 und 2015 folgten weitere Insolvenzen, die jeweils mit einem Abbau von Mitarbeitern und einer weiteren Spezialisierung auf die Ausrüstung von Geweben für die Produktion von Arbeits- und Schutzbekleidung, insbesondere für den industriellen Leasingwäsche-Bereich verbunden waren.

 

Die beiden Geschäftsführer Volker Steidel und Werner Ritzi hielten ab 2016 jeweils 47% der Unternehmensanteile. Die Mechanische Baumwoll-Spinnerei und Weberei Bayreuth GmbH war nur noch mit einem Minderheitsanteil von 6 Prozent am Unternehmen beteiligt. Das Grundstück in Brombach gehörte jedoch weiterhin der Daun-Gruppe.

 

 
2019
Das Ende der Lauffenmühle nach 184 Jahren

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Lauchringen musste am 11. Januar 2019 erneut ein Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Waldshut-Tiengen einleiten.

Trotz Demonstrationen im Frühjahr und Sommer 2019 wurde der Betrieb nach 184 Jahre in Lauchringen und 120 Jahren in Brombach zum 31. Juli 2019 eingestellt. Es waren am Ende insgesamt noch 242 Mitarbeiter bei der Lauffenmühle beschäftigt.

 

 
Stadt Lörrach wird aktiv

Bereits im Sommer 2018 beschloss der Gemeinderat, einen Bebauungsplan zur Sicherung und Weiterentwicklung des produzierenden Gewerbes auf dem Lauffenmühle-Areal aufzustellen (Beschlussvorlage 104/2018). Parallel dazu bemühte sich die Stadt Lörrach ebenfalls bereits im Jahr 2018 um einen Ankauf des Geländes beim damaligen Eigentümer, um durch strategischen Grunderwerb wieder mehr Gestaltungsspielraum zu erhalten. In Verbindung mit der Aufstellung des Bebauungsplanes konnte hierzu unterstützend ein besonderes Vorkaufsrecht nach § 25 BauGB an dem Gelände begründet und eine entsprechende Satzung beschlossen werden (Beschlussvorlage 108/2018).

Im Zuge der weiteren Untersuchung des Gebietes für die Bearbeitung des Bebauungsplanes wurden auch städtebauliche Missstände wie bereits bestehender Leerstand, fehlende Durchwegungen, schlecht gestaltete öffentliche Räume und planungsrechtlich schwierige Übergangsbereiche zwischen Wohn- und Gewerbenutzung offenkundig. Daher hat die Stadt Lörrach mit Beschluss 082/2019 im Mai 2019 ein rund 19 ha großes Untersuchungsgebiet als Sanierungsgebiet definiert. Die Stadt Lörrach strebt an, die planerischen Ziele im Rahmen eines Sanierungsverfahrens nach § 136 ff. BauGB zu verfolgen. Das Vorkaufsrecht wurde ebenfalls auf dieses Gebiet ausgedehnt (Beschlussvorlage 81/2019).

 

Im Oktober 2019 wurde erfolgreich die Aufnahme des Projektes Lauffenmühle in das Sanierungsprogramm des Landes beantragt. Mit finanzieller Unterstützung aus diesem Programm gelang schließlich auch der angestrebte Erwerb des ehemaligen Werksgeländes im Februar 2020. Das rund 9 ha große Gelände in Brombach ging formell im Mai 2020 in das Eigentum der Stadt Lörrach über.

 

 

Zukunftsvorstellungen –
Was passiert in Zukunft mit dem Areal in Brombach?

 

Mit dem „Projekt Lauffenmühle“ verfolgt die Stadt Lörrach folgende Ziele:

  • einen vitalen, nachhaltigen und von produktivem und innovativem Gewerbe geprägten Wirtschaftsstandort zu entwickeln,
  • ein von städtebaulichen Missständen geprägtes Gebiet im Norden der Stadt zwischen den Ortsteilen Haagen und Brombach städtebaulich und freiräumlich aufzuwerten und stärker in den gesamtstädtischen Kontext einzubinden und
  • die Frage der Machbarkeit eines „Kombi-Standortes“ für städtische Einrichtungen auf den Flächen des ehemaligen Werksareals zu klären.

Bis zur baulichen Umsetzung ab 2026 müssen zunächst Themen wie Grundlagenermittlung, Konzeption und planerische Umsetzung geklärt werden.

 

Zeitplan

 

Der Prozess der Planung und Umsetzung lässt sich in 4 Phasen gliedern:

 

Phase I: Grundlagenermittlung (2020-2021)

 

In der ersten Phase werden die Rahmenbedingungen ermittelt und die im Raum stehenden Bedürfnisse und Potenziale geprüft, so zum Beispiel die Machbarkeit eines „Kombi-Standorts“, die Nutzung regenerativer Energien, die Machbarkeit des Ausbaus von Fernwärmenetzen, die Anliegen der betroffenen Eigentümer, Gewerbetreibenden und der Öffentlichkeit.

 

Auch wird das Profil für das neu zu entwickelnde Gewerbegebiet in dieser Phase erstellt. Wichtige Eckpunkte sind dabei eine bedarfsgerechte und nachhaltige Weiterentwicklung des Areals für lokale Unternehmen und Neuansiedlungen, die sich den besonderen Anforderungen im Bereich Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Digitalisierung stellen.

 

Zudem wird die vorhandene Bausubstanz und ergänzend einige Bereiche des Bodens auf dem ehemaligen Werksareal genauer untersucht. Auf Basis dieser Ergebnisse sowie vor dem Hintergrund des historischen Wertes und der Umnutzbarkeit der Bauten kann dann entschieden werden, welche Bauten des ehemaligen Werksgeländes saniert und zukünftig temporär oder gar dauerhaft genutzt werden können – bzw. abgerissen und entsorgt werden sollten.

 

Vor diesem Hintergrund kann dann auch über die bestehenden und möglicherweise neuen temporären Mietverhältnisse auf dem ehemaligen Werksareal entschieden werden.

 

Ein so abgestimmtes, auf Untersuchungen basiertes Konzept für den Umgang mit den Bauten auf dem ehemaligen Werksgelände soll möglichst bis Ende 2020 erarbeitet werden. In der Konsequenz kann bereits 2021 mit ersten Abriss- bzw. Sanierungsarbeiten am Bestand begonnen werden.

 

Phase II: Konzeption (2022-2023)

 

In der zweiten Phase, der Konzeption, werden die Ergebnisse von Phase 1 in ein räumliches Konzept für die Neuordnung des Gebietes münden: Hierzu werden die Anforderungen an das Gebiet, die sich aus den bisherigen Erkenntnissen ergeben, als Aufgabe für einen städtebaulich-freiräumlichen Wettbewerb formuliert.

Inklusive der Vor- und Nachbereitung dieses Prozesses wird bis etwa Ende 2023 ein räumlich konkreter Rahmenplan für die Entwicklung des Gebietes abgestimmt werden können. Sollte die Untersuchung des Bestandes in Phase 1 eine Zwischennutzung des ehemaligen Werksareals ermöglichen, wird diese in dem möglichen Umfang weiter durchgeführt.

 

Phase III: Planerische Umsetzung (2024-2025)

 

In der dritten Phase erfolgt die planerische Umsetzung dieses Rahmenplans. Der Rahmenplan und die damit verbundenen öffentlichen Bauaufgaben (Erschließungsstraßen, Versorgungsnetze, Freiräume, ggfs. Hochbauten) werden auf einer detaillierteren Maßstabsebene durchgeplant.

 

Ein neu zu beschließender Bebauungsplan basiert dann auf dieser Detailplanung und schafft dann die notwendige planungsrechtliche Grundlage für die Umsetzung.

Die mögliche Zwischennutzung des ehemaligen Werksareals kann potenziell noch bis zum Ende dieser Phase weiterlaufen.

 

Phase IV: Bauliche Umsetzung (2026-2028)

 

Nach erfolgtem Satzungsbeschluss zum erarbeiteten Bebauungsplan kann die bauliche Umsetzung der öffentlichen Bauaufgaben beginnen. Vorhabenträger können Bauanträge auf Basis des neuen Planungsrechts stellen. Die Flächen des zukünftigen Gewerbegebietes können den Betrieben am Ende dieser Phase, voraussichtlich im Jahr 2028, erschlossen übergeben werden.

 

 
Lauffenmühle - next innovation. Eine Vision

 

Die Stadt gestaltet den Strukturwandel: Holz ist die Vision für das Areal der Lauffenmühle in Lörrach. Lokales Holz als Werkstoff, aber auch als Energieträger, als nachwachsender Rohstoff aus dem nahen Schwarzwald. Firmen, die ihre wirtschaftliche Basis auf nachwachsende Rohstoffe oder Recycling-Material setzen, stehen für zukunftsorientierte Modelle nachhaltigen Wirtschaftens. Das erste Gewerbegebiet Deutschlands mit einem Gebäudepark durchgehend in Holz- bzw. Holzhybridbauweise.

 

 

Lauffenmühle: Das ZERO Emission Gewerbegebiet der Zukunft 

 

Die Stadtverwaltung schlägt vor, CO2-neutrale und innovative Arbeitsplätze auf dem Lauffenmühle-Areal aufzubauen. Es sollen Arbeitsplätze in den Bereichen Produktion und Dienstleistung entstehen, die langfristig sichere Gewerbesteuereinnahmen bringen, die Textilindustrie nachhaltig ersetzen und die Klimaziele der Stadt unterstützen. Stadtnachricht vom 22.12.2020 

 

 

Quellen:

  • Brombach 786-1972, Ortschronik, Fritz Schülin in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis „Dorfbuch Brombach“, herausgegeben von der Gemeinde Brombach
  • Lörrach 1999 - Das Jahrbuch zum Jahrtausendwechsel
  • Lauffenmühle, Wikipedia-Artikel, abgerufen am 24.10.2020  https://de.wikipedia.org/wiki/Lauffenm%C3%BChle
  • "Projekt Lauffenmühle" – Projektplanung 2020-2028 und Mittelbedarf 2020/2021,Beschlussvorlage Nr. 025/2020  der Stadt Lörrach

 

(Zusammenstellung durch Marion Ziegler-Jung, Oktober 2020)